• Stephan

Pilgern am Jakobsweg Teil 1: Der Ruf


Viele von uns haben den Boden verloren, verlassen oder sind abgehoben. Unsere Sinne wurden durch den Alltag getrübt, verstopft oder betäubt. Wir leben in einer Teilnahmslosigkeit, abgekoppelt von uns selbst und unserer Umwelt.


In diesem Zustand erhalten manche einen Ruf, sich aufzumachen, in Bewegung zu kommen und eine Pilgerreise zu beginnen. Dieser Ruf kann in jedem Lebensalter kommen, er kommt oft leise, manchmal aber auch sehr laut. Einige folgen diesem Ruf nicht, antworten nicht oder negieren ihn gar. Interessant ist, dass dann nicht nur die Reise und das Abenteuer unterbleiben, sondern dass sich das Abenteuer in sein Negativ verkehrt.

Wer betroffen ward und nicht hören will, vergräbt sich in Langeweile, Geschäftigkeit und sogenannte Kultur. Die Zukunft erscheint ihm nicht als endlose Kette von Tod und Wiedergeburt, sondern als bloße Bedrohung seines gegenwärtigen Systems von Idealen, Tugenden, Absichten und Vorteilen, das um jeden Preis festzuhalten und zu sichern sei. Dabei wird leicht übersehen, dass es kein Entrinnen gibt, vor der Wahl sich ans eigene Ich zu klammern oder dem Ruf zu folgen. (Joseph Campbell)


Unser Ursprung ist der Boden. Wir kommen von dort und gehen auch wieder dorthin zurück. Der Boden gibt uns alles, der Boden nimmt uns alles. Und es ist der Boden, auf dem wir gehen. So steht auch alles in Beziehung zueinander. Diese Komplexität ist für uns Menschen kaum zu erfassen und schon gar nicht die Wechselwirkungen oder die Folgen eines Ungleichgewichtes innerhalb dieser Beziehung. ​ Eines ist klar, die Natur lässt nicht mit sich verhandeln, denn die Natur kennt uns gar nicht. Verlassen wir die Resonanz (vgl. Hartmut Rosa, Die Soziologie des guten Lebens), in der wir zu unserer Umwelt und Natur stehen, führt dies zu Entfremdung, Krankheit und Tod. Mit all unserem Wissen haben wir es bisher nicht geschafft, Konsequenzen für unser Handeln daraus zu ziehen.


Wenn du diesen Ruf bekommst, folge ihm und folge der Veränderung, die dich zu deinem Boden hin führt.

Verein Jakobsweg Wien

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1010 Wien

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