Aktuelles vom Camino Francés und Camino Aragonés 2026
- Stephan

- vor 12 Minuten
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Was hat sich auf den spanischen Jakobswegen verändert? Welche neuen Regeln gelten für die Compostela? Und worauf sollten Pilgerinnen und Pilger 2026 besonders achten? Johann Bauer war im März 2026 auf dem Camino Francés unterwegs und berichtet über seine Erfahrungen sowie aktuelle Entwicklungen auf dem Weg.
Unterwegs auf dem Camino – seit mehr als 25 Jahren
Mein Name ist Johann Bauer, ich bin diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger und seit vielen Jahren auf den Jakobswegen in Spanien und Frankreich unterwegs.

Meine erste große Pilgerreise führte mich bereits im August und September 2000 von Saint-Jean-Pied-de-Port auf den Camino Francés. Seither bin ich immer wieder auf verschiedenen Jakobswegen in Spanien und Frankreich unterwegs gewesen.
Im März 2026 machte ich mich erneut auf den Weg – diesmal von Pamplona bis zum Atlantik. Dabei konnte ich nicht nur viele neue Eindrücke sammeln, sondern auch einige Veränderungen beobachten, die für zukünftige Pilgerinnen und Pilger interessant sind.
Mehr als eine halbe Million Pilger
Der Jakobsweg erfreut sich weiterhin enormer Beliebtheit. Laut den veröffentlichten Pilgerstatistiken wurden im Jahr 2025 mehr als 530.000 Pilgerinnen und Pilger registriert. Darunter waren 2.435 Personen aus Österreich.
Und die Zahlen könnten weiter steigen: 2027 wird in Santiago de Compostela wieder ein Heiliges Jahr, da der Festtag des Apostels Jakobus am 25. Juli auf einen Sonntag fällt. Erfahrungsgemäß sorgt ein solches Año Santo Compostelano für besonders großen Andrang.
Wann ist der Camino Francés besonders stark frequentiert?
Zu den Monaten mit besonders vielen Pilgerinnen und Pilgern gehören traditionell Mai, Juni und September.
Wer es etwas ruhiger bevorzugt, findet beispielsweise im März sowie im Oktober und November deutlich weniger Betrieb vor. Gerade der März kann – entsprechende Wetterausrüstung vorausgesetzt – eine interessante Alternative zur Hauptsaison sein.
Bei den Pilgerzahlen zeigt sich zudem eine unterschiedliche Entwicklung entlang der Strecke. Zwischen Saint-Jean-Pied-de-Port und Sarria sind die Zahlen teilweise leicht rückläufig, während sie ab Sarria weiter steigen. Auch andere Jakobswege wie der Camino Portugués, Camino Primitivo und Camino Inglés erfreuen sich zunehmender Beliebtheit.
Wichtig: die aktuellen Regeln für die Compostela
Wer am Ende seiner Pilgerreise in Santiago die traditionelle Compostela erhalten möchte, sollte die geltenden Voraussetzungen genau kennen.
Die Compostela ist die kirchliche Pilgerurkunde und wird für eine Pilgerreise aus religiösen beziehungsweise spirituellen oder christlich motivierten Gründen ausgestellt. Wer den Camino ausschließlich aus sportlichen, touristischen oder anderen Gründen zurücklegt, kann stattdessen ein Distanzzertifikat – das „Certificado de Distancia“ – beantragen.
Für die Compostela müssen zu Fuß oder zu Pferd mindestens die letzten 100 Kilometer, mit dem Fahrrad mindestens 200 Kilometer auf einer anerkannten Route in Richtung Santiago zurückgelegt werden.
Die zurückgelegte Strecke wird durch die Stempel in der Credencial del Peregrino, dem Pilgerausweis, dokumentiert. Insbesondere auf der für die Compostela erforderlichen Mindeststrecke ist auf eine lückenlose Dokumentation zu achten. Das Pilgerbüro verlangt grundsätzlich mindestens zwei Stempel pro Tag. Wird nur die vorgeschriebene Mindestdistanz zurückgelegt, müssen außerdem Beginn und Ende der jeweiligen Etappe mit Datum dokumentiert werden.
Wichtig ist außerdem: Die erforderliche Strecke muss kontinuierlich auf derselben anerkannten Route in Richtung Santiago zurückgelegt werden. Verschiedene Routen dürfen für die erforderliche Mindeststrecke nicht beliebig miteinander kombiniert werden.
Wer bereits außerhalb Spaniens auf einer anerkannten Route beginnt, für den gelten besondere Bestimmungen. Nach den aktuellen Regeln müssen in diesem Fall mindestens 70 zusammenhängende Kilometer in Spanien zurückgelegt werden.
Da sich Bestimmungen ändern können, empfehlen wir vor Beginn der Reise einen Blick auf die aktuellen Informationen des Pilgerbüros in Santiago.
So funktioniert die Compostela-Ausgabe in Santiago
Das Pilgerbüro in Santiago de Compostela befindet sich in der:
Rúa Carretas 3315705 Santiago de Compostela
Die regulären Öffnungszeiten sind derzeit täglich von 9:00 bis 19:00 Uhr. Am 25. Dezember und 1. Jänner bleibt das Pilgerbüro geschlossen; bei besonders großem Andrang kann der Einlass zudem früher beendet werden.
Die Registrierung erfolgt mittlerweile digital. Im Pilgerbüro wird ein QR-Code gescannt, über den persönliche Daten eingegeben werden. Nach erfolgreicher Registrierung erhält man einen Code. Anschließend bekommt man ein Ticket mit einer Nummer und einem weiteren QR-Code, über den sich der aktuelle Stand der Warteschlange verfolgen lässt. Das soll die Abläufe bei großem Andrang erleichtern.
Unser Tipp für die Reiseplanung
Wer erst spät am Nachmittag in Santiago ankommt und bereits am nächsten Vormittag abreisen möchte, sollte ausreichend Zeit für die Ausstellung der Compostela einplanen.
Das Pilgerbüro weist ausdrücklich darauf hin, dass bei sehr großem Andrang nicht garantiert werden kann, dass die Compostela noch am selben Tag ausgestellt wird.
Wer seine Rückreise plant, sollte daher möglichst einen ausreichenden zeitlichen Puffer in Santiago vorsehen.
QR-Code statt Meldeschein: Veränderungen in den Unterkünften
Auch entlang des Camino Francés schreitet die Digitalisierung voran.
Bei meiner Reise im März 2026 verlangten einige Herbergen und andere Unterkünfte bereits einen digitalen Check-in per QR-Code. Der QR-Code wird mit dem Smartphone gescannt und führt zu einer Seite, auf der die persönlichen Daten eingegeben werden müssen. Die Formulare stehen meist auf Spanisch oder Englisch zur Verfügung.
Teilweise muss dabei auch eine Einverständniserklärung zur Verarbeitung beziehungsweise Weitergabe der Daten bestätigt werden.
Allerdings ist dieses Verfahren noch längst nicht überall üblich. Viele Unterkünfte erfassen die Daten weiterhin auf herkömmliche Weise oder fotografieren die entsprechenden Angaben aus den Dokumenten ab.
Mein Eindruck vom März 2026 war daher: Der digitale Check-in nimmt zu, beide Systeme existieren derzeit aber noch nebeneinander.
Totale Sonnenfinsternis am Camino
Ein außergewöhnliches Naturschauspiel gab es am 12. August 2026: Eine totale Sonnenfinsternis war in Teilen Nordspaniens zu beobachten. Auch Gebiete entlang beziehungsweise im Umfeld des Camino Francés lagen im Bereich dieses seltenen Ereignisses. Für Pilgerinnen und Pilger, die zu diesem Zeitpunkt unterwegs waren, war dies sicherlich ein ganz besonderes Erlebnis.
Waldbrände: weiterhin aufmerksam bleiben
Waldbrände stellen in den heißen und trockenen Sommermonaten zunehmend ein Risiko auf den spanischen Jakobswegen dar.
Im Jahr 2025 war unter anderem der Bereich zwischen Astorga und Ponferrada zeitweise von Einschränkungen beziehungsweise Sperren aufgrund von Waldbränden betroffen.
Bis August 2026 habe ich am Camino Francés keine vergleichbaren längerfristigen Sperren erlebt. Die Waldbrandsaison ist im August jedoch keineswegs vorbei.
Wer während der Sommermonate unterwegs ist, sollte sich daher täglich über die aktuelle Situation informieren. Gute Anlaufstellen sind die Herbergen, die örtlichen Oficinas de Turismo sowie die Informationen der zuständigen Behörden.
Bei Sperren oder behördlichen Anweisungen sollte keinesfalls versucht werden, gesperrte Wegabschnitte auf eigene Faust zu umgehen oder trotzdem zu begehen.
Neues vom Camino Aragonés
Auch vom Camino Aragonés gibt es erfreuliche Nachrichten.
Auf der französischen Seite, der Via Tolosana beziehungsweise Voie d’Arles, war ein Teil des Weges im Vallée d’Aspe zwischen Oloron-Sainte-Marie und dem Col du Somport seit September 2024 aufgrund einer Hangrutschung gesperrt.
Nach entsprechenden Instandsetzungsarbeiten konnte die Verbindung im Frühjahr 2026 wieder geöffnet werden. Damit ist diese wichtige Verbindung in Richtung Somport wieder durchgehend begehbar.
Achtung auf der Etappe Sangüesa – Monreal
Wer den Camino Aragonés geht, sollte sich auf die Etappe von Sangüesa nach Monreal besonders vorbereiten. Die Etappe ist rund 28 Kilometer lang und bietet unterwegs nur sehr eingeschränkte Versorgungsmöglichkeiten.
Bis zur Ortschaft Izco steigt der Weg über längere Strecken an. Die Herberge und die Bar in Izco waren bei meiner Information geschlossen. Wasser ist im Ort jedoch verfügbar. Für diese Etappe empfiehlt es sich daher unbedingt, bereits in Sangüesa ausreichend Verpflegung und Getränkemitzunehmen und sich vor dem Aufbruch nochmals über die aktuelle Situation zu informieren.
Zwei hilfreiche digitale Begleiter
Für die Planung von Etappen und insbesondere für die Suche nach Herbergen und anderen Unterkünften hat sich für mich Gronze als sehr hilfreich erwiesen.
Für die Orientierung und Wanderwege in ganz Europa verwende ich außerdem gerne Mapy. Digitale Hilfsmittel ersetzen natürlich nicht die gelben Pfeile, Wegmarkierungen und die eigene Aufmerksamkeit – sie können die Orientierung und Planung unterwegs aber erheblich erleichtern.
Mein Fazit vom Camino 2026
Der Camino verändert sich. Digitale Registrierung, QR-Codes in Unterkünften und neue Abläufe im Pilgerbüro gehören mittlerweile ebenso zum Weg wie die traditionellen Stempel im Pilgerpass.
Gleichzeitig bleibt das Wesentliche unverändert: das Unterwegssein, die Begegnungen mit anderen Menschen, die Landschaft und das persönliche Erleben des Weges.
Wer 2026 oder in den kommenden Jahren auf dem Camino Francés oder Camino Aragonés unterwegs sein möchte, sollte sich vor der Abreise über die aktuellen Regeln informieren und insbesondere in den Sommermonaten die Wetter- und Waldbrandsituation im Auge behalten.
Vielleicht sehen wir uns ja irgendwo unterwegs.
Ich wünsche allen Pilgerinnen und Pilgern einen guten und sicheren Weg – Buen Camino!
Johann Bauer



